KOMPOSITION 59/39
Otto Ritschl
ERFURT 1885 - 1976 WIESBADEN
KOMPOSITION 59/39
1959
ÖL AUF LEINWAND


SIGNIERT UND DATIERT UNTEN LINKS MIT PINSEL IN WEIß:"O. RITSCHL"
SOWIE VERSO MIT PINSEL IN SCHWARZ ERNEUT SIGNIERT UND BETITELT: (19)59
75 X 100 CM
PROVENIENZ

SAMMLUNG EBERHARD SEEL, BERLIN UND KöLN

PRIVATSAMMLUNG, SüDDEUTSCHLAND

LITERATUR

“OTTO RITSCHL", KUNSTVEREIN HANNOVER 1962

MARIA VELTE, "OTTO RITSCHL LEBEN UND WERK", ABB.
MITTELRHEIN MUSEUM DER STADT KOBLENZ 1970, S. 133

Nach einer langen Schaffenspause, die die Wirren des Weltkrieges mit sich brachten  knüpft Ritschl in seinen Werken zunächst an die ästhetische Tradition der Moderne der 1930er Jahre an bevor er sich mit der Kunst Pablo Picassos auseinandersetzt.[1] Erst langsam löst sich Ritschl von diesen Vorbildern, malt sich förmlich ein und komponiert in jenen abstrakten Arbeiten tief mediale und energetische Bilder deren Inhalt dennoch symbolisch verstanden sein muss. Die in den 1950er Jahren entstandenen Bilder stellen hierbei mit Sicherheit den Höhepunkt künstlerischen Schaffens in Ritschls Leben dar, da sie in ihrer Konzentration und Loslösung von der real-physischer Welt tiefe Eindrücke menschlichen Seelenlebens widerspiegeln.


 Komposition 1959/39 entsteht ein Jahr nach dem Tod von Ritschls Ehefrau und zeigt nach der langen und intensiven künstlerischen Auseinandersetzung mit Leben und Tod eine neue Idee von Form und Farbe und die vollkommene Loslösung von geometrisch-konstruktivistischen Formen. Das Werk steht am Übergang von noch klar voneinander abgegrenzten Farbflächen hin zu späteren wolkenartigen und unscharfen Formen. In kräftigen und dunklen Blau und Grüntönen  und kontrastierend dazu sandigen Erdtönen gestaltet Ritschl diese höhlenartige Struktur aus zumeist kantigen Formen. Die rote Farbscheibe hingegen hebt sich stark davon ab und taucht so symbolisch für das eigene „Ich“ tief in Erkenntnis und Wahrheit um das Mystische und Meditative, das Ritschl stets künstlerisch thematisiert, zu visualisieren.2



1 Velte, Maria: Otto Ritschl: Leben und Werk, Koblenz 1970, S. XIV.


2 Ibid. S. XXVII ff.