VILLAGE ITALIEN
VILLE ITALIENNEVILLAGE ITALIEN
Tamara de Lempicka
WARSAW 1898 - 1980 GUERNAVACA
VILLAGE ITALIEN
1926
BLEISTIFT AUF PAPIER
SIGNIERT OBEN RECHTS: „T. LEMPICKA“
15,8 X 8,9 CM
PROVENIENZ

BARRY FRIEDMANN GALLERY, NEW YORK


PRIVATSAMMLUNG, NIEDERLANDE


 

LITERATUR

CATALOGUE RAISONNÉ 1921-1979, ALAIN BLONDEL, NR. A 98


 


 


 

Die Malerin Tamara de Lempicka wurde 1898 in eine großbürgerliche Familie in Warschau geboren, wuchs in St. Petersburg auf, wo sie 1916 den Grafen Lempicki heiratete, mit dem sie im Jahr 1919, bedingt durch die russische Revolution, in die pulsierende Metropole Paris floh. Hier studierte sie Malerei bei Maurice Denis und später bei André Lhote.1 Diese bedeutenden Künstler, die sich jedoch von den künstlerischen Experimenten ihrer Zeit fern hielten und eine Erneuerung der figurativen Kunst propagierten, prägen die Künstlerin zeitlebens. Als „Ikone des Art-Déco“ traf sie den Nerv der Pariser Haute Volée, war schon zu Lebzeiten immens erfolgreich und zu einer der größten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gereift. In ihrem oftmals dekadenten und schil- lernden Oeuvre zeigt die Künstlerin vorwiegend opulente Bildnis- und Porträtmalerei und nur wenige, dafür umso delikatere Stillleben und Stadtlandschaften. In ihrer Stil- sprache bewegt sie sich zwischen Postkubismus und Neoklassizismus. Aber auch das Erbe des französischen Malers und Zeichners Jean Auguste Dominique Ingres findet sich in ihrem Schaffen.


Wie kaum einem anderen Künstler gelingt es Tamara de Lempicka, das Lebensgefühl einer Epoche einzufangen. In ihren ästhetischen Bildern hält die Künstlerin die kühle Eleganz und subtile Dekadenz dieser spannungsreichen Ära fest. Auch in den vorliegenden, besonders reizvollen Blättern zeigt sich das große Können dieser faszinierenden Künstlerin und ihres unverwechselbaren, schöpferischen Werks. Während die beiden architektonischen Kompositi- onen in ihrer Geometrie und Kubatur zwar eine gewisse Strenge vermitteln, zeugen sie durch subtile Wischungen und feinste Details von der anmutigen Sensibilität der Werke Lempickas. Die Porträtstudie eines Mannes über-zeugt in ihrer außerordentlichen Wirkung durch den Blick des Dargestellten. Kopfhaltung und Blickrichtung geben eine Attitüde und geheimnisvolle Stimmung vor, welche den Werken der Künstlerin eigen ist. Die darauf befindliche Augenstudie mit dem verdunkelnden Make-up und der markanten Brauen lässt die Augen zu Auslösern einer Inszenie- rung werden, in welche die irritierende Schönheit der dargestellten Personen im Werk der Künstlerin eingebettet ist.