TêTE DE FAUNE
FIGURE AVEC RAYONSTête de FauneHomme dévoilant une femme (Mann, der eine Frau enthüllt)COLOMBE VOLANT
Pablo Picasso
MáLAGA 1881 - 1973 MOUGINS
TêTE DE FAUNE
ca. 1950
KUGELSCHREIBERTINTE AUF PAPIER
SIGNIERT OBEN RECHTS: " PICASSO"
21 X 17 CM
PROVENIENZ

SAMMLUNG GIOTTI, PLAGE GAROUPE, ST. JEAN CAP VERRAT

GUTACHTEN

DAS WERK WIRD VON EINEM GUTACHTEN VON CLAUDE RUIZ PICASSO VOM 19.03. 2013 BEGLEITET.

Wie dem Minotaurus kommt auch dem Faun in Picassos persönlicher Mythologie eine Schlüsselstellung zu und findet sich als wiederkehrendes Thema im Werk des Künstlers. Wie in der klassischen Mythologie war für ihn das Mischwesen aus Bock und Mensch Symbol für reine Lebenslust - mit einer gewissen stärkeren Betonung auf der Lust. Man darf wohl sagen, dass diese Figur mit ihren unschuldigen tierischen Gelüsten, ihrer Vorliebe für ein natürliches, ungehemmtes Leben, ihrer Kunst, zu verführen und zu unterhalten, dieses verschmitzte und verspielte Geschöpf die Verkörperung vitaler, vor allem sinnlicher Züge im Wesen des großen Künstlers darstellt. Der flotte, locker und expressiv gesetzte Strich der Zeichnung eines lachenden Fauns bringt Leidenschaft und Energie zum Ausdruck. In der Selbstdarstellung des Künstlers als Faun, sucht Picasso inmitten des mythologischen Fundus, seine Verkleidung und formuliert bewusst Nietsches Prinzip eines notwendigen appolonisch-dionysischen Dualismus. Unter dem Einfluss dieser Idee stand Picasso seit frühester Zeit. Auf seine Zeichnung übertragen, würde die schöne, ästhetische Linie und klare Form das appolonische Prinzip, das Wilde, trieb-und rauschhafte Lebendige dagegen das dionysische Prinzip verkörpern. In dieser versonnenen, harmlosen und in sich versunkenen Figur verbindet sich somit das animalisch-triebhafte mit dem Ausdruck sanfter Sinnlichkeit. Dieser Zusammenklang entgegengesetzter Kräfte lag Picassos Suche nach Inspiration und Formfindung als wesentliche Motivation zugrunde. Unsere Arbeit zeigt in ihrer schnellen Ausführung die spontane Idee des Künstlers ohne in Logik und dem rationalen Denken zu verhaften. Gerade für Picasso bietet die zeichnerische Komposition die Möglichkeit das intime, tief menschliche Empfinden in spontanen, freien Kompositionen einzufangen. Seine lebenslange Neugier und unglaubliche Passion zeigt sich sowohl in den von subtilen Farben und Motiven geprägten bedeutenden Werken des Künstlers als auch in den kleinen, delikaten Arbeiten wie dem vorliegenden Werk, dessen Ausdruck durch die für Picasso ganz eigene lyrische Stimmung geprägt wird. In selbstbewusstem Strich und ungeheurer Verve verdeutlicht sich die große Vitalität und präzise Beobachtungsgabe des großen Künstlers, welcher mit virtuosem Talent und mit nur wenigen Linien und Strichen kraftvoll und spannungsreich eine Legende aufs Papier bannt.


Die vorliegende Arbeit stammt aus der Sammlung Giotti, des Besitzers eines der exklusivsten und besten Strandclubs im illustren Saint-Jean-Cap-Ferrat, dem Ort an einer der schönsten Buchten der Welt, in welchem neben den Rothschilds, Jean Cocteau oder den Windsors auch Pablo Picasso gerne seine Ferien verbrachte. In diesen Jahren machte Pablo Picasso die französische Riviera zur Bühne für seine letzten zweieinhalb Lebensjahrzehnte, zur Quelle seiner Inspiration. Das sichere, schnelle Zeichnen gibt der vorliegenden  Arbeit ihre besondere Note, die weit mehr ist als eine kleine Gefälligkeitszeichnung für einen guten Freund. Denn für Picasso bildet die Zeichnung den wirklichen Kern seiner Kreativität. Er nutzte Zeichnungen als Studien für andere Werke, aber auch, um damit neue Formen auszuprobieren, neue Ideen zu entwickeln und gelegentlich, um mit anderen Materialien zu experimentieren. So ist Picasso fraglos der größte Zeichner seiner Zeit , und sein Werk, das über alle nur denkbare Subtilität verfügt, lässt sich dem größten Meister der Handzeichnung an die Seite stellen. So zeigt auch diese Zeichnung, dass nicht das Pensum, die Summe des Dargestellten oder die Masse des Motives für Picasso wichtig ist, sondern alles einer Spontaneität und Geschwindigkeit untergeordnet wird, wie es typisch für das zeichnerische Werk Picassos ist und damit in seinem Charakter unverkennbar die Prägung des großen Künstlers trägt.